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Die Launen der Marianne

Drei rücksichtlose Burschen der neapolitanischen „Jeunesse dorée“, führen uns – schlagfertig und brutal – anhand der Ängste eines jungen Mädchens vor, wie schwer die Liebe ist.

Cœlio ist verrückt nach Marianne, der jungen Gattin des Richters Claudio, wagt es aber nicht, sie anzusprechen. So übernimmt sein Freund Octave die Rolle des Vermittlers. Es folgen zwei Akte Ideeller Kämpfe und feuriger Sprachgefechte, in denen die Unversöhnlichkeit der Figuren unter Mussets Feder knirscht.

Fünf flüchtige, scharfe Diskussionen, geführt in einem Unterstand an der Strasse, die zur Kirche führt, und direkt vor dem Haustor des eifersüchtigen Gatten.

Aber warum hat sich Cœlio in Marianne verliebt? Und warum ist sie so jung verheiratet? Wovor fürchtet sie sich so schrecklich? Vielleicht davor, ihr Leben zu leben? Möchte sie vielleicht – genau wie Camille – lieben ohne zu leiden? Woher rührt die grosse Ergebenheit des desillusionierten Octave seinem Freund gegenüber? Warum wird Marianne fallen, Cœlio sterben und Octave weinen?

Ich finde die Komödien und Lesdramen Mussets wunderbar... es sind filmische Szenarien.

Der elliptische Charakter ihrer Struktur verstärkt einen Eindruck der Montage, denn die Dramaturgie basiert auf den gedanklichen Brüchen zwischen den Sequenzen: Das Stück arbeitet wie von selbst, jede Szene erscheint frei und autonom, was dem Zuschauer die Möglichkeit gibt, sich sein eigenes Stück zu konstruieren.

Misstrauen wir den Vorurteilen, die Musset zu einem pseudo-romantischen Dichter machen. Es geht hier keineswegs um Galanterie! Ein Typ macht ein Mädchen an, indem er hinter ihr her pfeifft! Wie kann, wie soll sie reagieren?

Im Rahmen des Projekts Transhelvetia werden wir gemeinsam mit einer Bande frisch diplomierter junger Schauspieler versuchen, die Virulenz von Mussets Sprache und die Aktualität seiner Stoffe herauszuarbeiten.

Jean Liermier