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Woyzeck

Eine Produktion des Theater Basel im Rahmen des Projektes Trans Helvetia. Eine Koproduktion mit dem Théâtre Vidy Lausanne. Gefördert von der Sophie und Karl Binding Stiftung, der Ernst Göhner Stiftung und der Fondation de Famille Sandoz.
In dem Fall des Leipziger Perückenmacher Johann Christian Woyzeck, der das historische Vorbild für das Drama war, fand Georg Büchner einen Stoff, der ihn literarisch, philosophisch und politisch inspirierte. Johann Christian Woyzeck hatte am 21. Juni 1821 die 46-jährige Witwe Christiane Woost in einem Hausflur in der Leipziger Sandgasse aus Eifersucht erstochen. Im Prozess erstellte der Medizinprofessor Johann Christian August Clarus zwei Gutachten über die Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten. Woyzeck wurde verurteilt und am 27. August 1824 auf dem Marktplatz in Leipzig öffentlich hingerichtet.

Büchners Adaption des Stoffes zeigt Episoden aus dem Leben des Soldaten Franz Woyzeck, der seine Freundin Marie und das gemeinsame uneheliche Kind so gut wie es ihm möglich ist, unterstützen will. Deswegen lässt er sich sogar von einem Arzt als Versuchsperson auf Erbsendiät setzen und arbeitet als Barbier und Laufbursche für den Hauptmann. Beide nutzen ihn physisch und psychisch aus und demütigen ihn in der Öffentlichkeit. Marie lässt sich hingegen mit einem Tambourmajor ein. Woyzecks aufkeimender Verdacht wird durch ihm nicht freundlich gesonnene Mitmenschen geschürt, bis er Marie und den Nebenbuhler beim Tanz im Wirtshaus ertappt. Er hört "Stimmen", die ihm befehlen, Marie umzubringen. Schließlich ersteht er ein Messer, verteilt seinen Besitz (Testamentsszene) und ersticht Marie, die er jedoch bis zuletzt geliebt hat. Nach dem Mord versucht er, wieder in die Gesellschaft zurückzufinden und begibt sich in ein Gasthaus. Dort wird jedoch bemerkt, dass sein Hemd mit Blut befleckt ist und Woyzeck flieht. Es erscheint wahrscheinlich, dass Woyzeck bald gefasst werden wird, aber eine Szene, in der er versucht, die Blutflecken in einem Teich abzuwaschen, legt auch den Schluss nahe, dass Woyzeck sich nach dem Mord im Teich ertränkt.

Bis heute konnte die von Büchner letztlich beabsichtigte Szenenfolge nicht abschliessend rekonstruiert werden. Dennoch hatte das Fragment nach seiner Veröffentlichung 1879 – über vierzig Jahre nach Büchners Tod – nachhaltige Entwicklung auf die deutsche Literatur- und Theatergeschichte: Zum ersten Mal wird das Schicksal eines sozial Deklassierten zum Gegenstand eines Theaterstückes. Die gesellschaftlichen Bedingungen, in denen die Figuren verstrickt sind, lassen ein Aufbegehren undenkbar erscheinen. Der Aufbau, in dem die Geschichte in kurzen Szenen erzählt und die Motive der Figuren mit wenigen Sätzen schlaglichtartig erhellt werden, verweist zwar noch auf das Drama des Sturm und Drang, wird aber in seiner bezwingenden Konsequenz zum Vorbild für die Entwicklung des „offenen Dramas“ und verweist damit ins frühe 20. Jahrhundert.